Archiv für Januar 2010
Invasion des Irak wirft Fragen auf
Die internationale Gemeinschaft hatte es eigentlich gut vor – kriegsmüden Mitläufern der Taliban wollte man eine finanzielle Unterstützung anbieten, damit diese wieder zurück in ein normales Leben finden. Dieses Angebot wurde nun jedoch von den Taliban abgelehnt. Das Geld wollte man aus einem Reintegrationsfonds nehmen, in dem sich rund 500 Millionen Dollar befinden. Diejenigen, die sich weigern dieses Angebot anzunehmen würden weiterhin vom Miliär verfolge werden, äußerte der britische Premierminister Gordon Brown nun auf der internationalen Afghanistan-Konferenz in London. Auch für die Anhänger von Al-Kaida gelte dies.
Währenddessen tagt in London derzeit auch ein Irak-Untersuchungsausschuss, der sich mit den noch strittigen rechtlichen Fragen der Invasion vom 19.März 2003 beschäftigt. Ein Rechtsberater des ehemaligen Premierministers GroĂźbritanniens Tony Blair verkĂĽndete indes, dass man den Irakkrieg immer noch fĂĽr legal halte. Dennoch gibt es teils groĂźe Uneinigkeit zwischen den juristischen Experten und den Personen, die damals fĂĽr das Handeln verantwortlich waren. Diesen Beitrag weiterlesen »
Biden besucht Bagdad und US-Marines beenden Einsatz im Irak
Nachdem bereits ein Teil der US-Truppen aus dem Irak abgezogen wurden, haben nun auch die US-Marines ihren Einsatz im Irak nach sieben Jahren beendet. Bei einer offiziellen Zeremonie wurde die Provinz Anbar der irakischen Armee übergeben. Mit dabei waren auch ranghohe Militärs und mehreren einflussreiche Sunni-Scheichs aus der Region. Damit wollen die Amerikaner auch einen beschleunigten Abzug der amerikanischen Truppen im Zuge der Verlegung des Fokus auf den Krieg in Afghanistan signalisieren. Gleichzeitig sieht man diese Maßnahme auch als Zeichen dafür, dass man den irakischen Sicherheitskräften zutraut selber für die Sicherheit in dieser Region zu sorgen. Ob das auch gelingen wird, wird sich dann in den nächsten Monaten herausstellen.
Währenddessen traf sich der amerikanische Vize-Präsident Joe Biden in Bagdad mit irakischen Spitzenpolitikern und war dabei auch vermittelnd tätig. Im Irak kommt es derzeit auch zu Spannungen wegen den bevorstehenden Parlamentswahlen am 7. März 2010 – die verschiedenen Parteien versuchen sich gegenseitig aus dem Rennen zu werfen, was natürlich hauptsächlich religiöse Hintergründe hat.
Erzbischof von Bagdad sorgt sich um Christen
Der Erzbischof von Bagdad, Jean Benjamin Sleiman, macht sich Sorgen um die im Irak lebenden Christen – in der letzten Zeit wurden wieder vermehrt Anschläge auf Christen verübt und der Erzbischof rechnet damit, dass diese Entwicklung über kurz oder lang dazu führen wird, dass immer mehr Christen das Land verlassen. Im Irak leben derzeit rund 290.000 Katholiken. Demnach steige in den Gemeinden die Angst vor weiteren Übergriffen und man trägt sich ernsthaft mit dem Gedanken, aus dem Irak zu flüchten.
Gleichzeitig wirft der Erzbischof der irakischen Regierung Untätigkeit vor, denn die Behörden hätten bislang noch nichts unternommen. Darüber hinaus würden die Medien die Morde an den Christen verschweigen. Bereits im letzten Jahr haben viele Katholiken das Land verlassen.
Alkoholverbot in Bagdad
Als gäbe es im Irak nicht auch sinnvollere Dinge zu tun lässt der derzeitige Präsident des Landes nun in der Hauptstadt Bagdad seine Abgesandten nach Alkohol suchen – mit dem Hintergrund, dass man alles, was nur im entferntesten mit Alkohol zu tun hat, aus den Straßen Bagdads verbannen will. Das macht sich vielleicht ganz gut im Wahlkampf, aber es gibt immerhin auch genügend Menschen, die ein Gläschen Whisky, Bier oder auch Arak – ein ungesüßter Anisschnaps- zu schätzen wissen. Insbesondere das türkische Bier wird in Iraks Hauptstadt gerne getrunken, so dass sich Bagdad im Laufe der Jahre zu einem der der wichtigsten Exportmärkte für türkisches Bier mit einem Exportvolumen von immerhin über 22 Millionen Euro entwickelt hat. Dieser Exportschlager hat nun sogar auch dazu geführt, dass man in Kurdistan bereits überlegt, neue Brauereien aufzubauen, was sich natürlich auch höchst positiv auf die dortige, recht hohe Arbeitslosigkeit auswirken würde.
Wenn es nach den Gesetzen des Islam geht, ist das Trinken von Alkohol eine große Sünde und muss bestraft werden, aber dieses Verbot wird eigentlich immer recht unterschiedlich ausgelegt. Während es in einigen Regionen strikt durchgesetzt wird, macht man in anderen Gegenden auch mal Ausnahmen – es kommt halt immer darauf an, an wen man gerät.
Bagdad – Fahrverbot und Straßensperren
In Iraks Hauptstadt Bagdad tun sich in den letzten Tagen Dinge, die nicht so recht einzuschätzen sind. Zum Beispiel wurden in der letzten Woche alle BrĂĽcken und HauptverkehrsstraĂźen gesperrt und es gab auch ein Fahrverbot – mit der BegrĂĽndung, dass es eine Terrorgefahr gegeben hätte. Andererseits munkelt man aber auch, dass Bagdad ein Militärputsch bevorstehen könnte. Dahinter könnten wiederum sunnitische Offiziere stecken – immerhin war die Partei Nationale Dialogfront, die vom sunnitischen Parlamentarier Saleh al-Mutlaq angefĂĽhrt wird, in der vergangenen Woche von den Parlamentswahlen Anfang März ausgeschlossen worden.
Die Einwohner Bagdads reagierten indes recht zurückhaltend auf das Fahrverbot und auch die Sperrungen, immerhin kam es in den letzten Wochen und Monaten immer wieder zu Anschlägen durch Autobomben. Und angesichts dieser Tatsache sind sie froh, dass die Regierung versucht diese Gefahr zu bannen. Man wird allerdings die weitere Entwicklung abwarten müssen um zu sehen, was in Bagdad wirklich vor sich geht.
Lufthansa und Air Berlin fliegen wieder in den Irak
Nachdem viele westliche Fluggesellschaften knapp zehn Jahre lang keine Flüge in den Irak im Angebot hatten, scheint sich in diesem Bereich nun wieder etwas zu tun – nachdem bereits die Lufthansa in der vergangenen Woche angekündigt hatte, wieder in den Irak zu fliegen, hat nun auch Air Berlin bekannt gegeben, das Land ab Februar wieder anfliegen zu wollen. Grund für diese Entscheidung ist laut Lufthansa die Nachfrage, die mit der zunehmenden Öffnung des Iraks für die zivile Luftfahrt gestiegen sei. Ab Sommer 2010 sollen insgesamt zwei irakische Flughäfen von Frankfurt und München angeflogen werden, zum einen Bagdad und zum anderen auch die im Norden Iraks gelegene Stadt Erbil.
Doch bevor diese Route wieder in den Flugplan aufgenommen wird soll erst noch die Infrastruktur sowie auch die notwendigen Verkehrsrechte geprĂĽft werden. Bereits seit 1956 hat die Lufthansa FlĂĽge nach Bagdad im Programm, diese wurden dann allerdings zu Beginn des Golfkrieges im Jahr 1990 eingestellt.
Journalisten im Irak – Gefährlicher Job
Der Irak zählt eigentlich schon seit einer ganzen Weile zu einem eher unruhigen Einsatzgebiet für Journalisten, doch mit Beginn des Golfkrieges im Jahr 1990 leben sie dort besonders gefährlich: Seit diesem Zeitpunkt sind im Irak insgesamt 141 Journalisten bei ihrer Arbeit ums Leben gekommen, im Vietnamkrieg waren es nur halb so viele. Auch deutsche Journalisten zählen zu den Opfern.
Die Arbeit von Reportern ist im Irak vor allem aus dem Grund schwierig, weil sie sich praktisch zwischen fünf Fronten bewegen – da wäre zum einen die El Kaida, aber auch verschiedene Milizen, die Clanscheichs, die US-Truppen und zum anderen auch die irakischen Polizisten und Soldaten. Daher ist es schwer, frei über die Zustände im Irak zu berichten, ohne dadurch negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Dennoch tun Tag für Tag zahlreiche Journalisten ihre Arbeit, zum einen, weil sie für ihren Glauben an die Pressefreiheit, die freie Meinungsäußerung und eine unabhängige Berichterstattung einstehen und zum andern auch, weil die Menschen erfahren müssen was in der Welt vor sich geht.