Geschichte

Kamele

Kalif al-Mansur errichtete Bagdad am Westufer des Tigris. Gegenüber lag das gleichnamige Dorf Bagdad. Der Tigris war einer der Hauptgründe für den Aufstieg Bagdads zur wirtschaftlichen Macht. Dieser weitläufige Fluss verband Bagdad mit wichtigen anderen Handelszentren, wodurch die noch junge Stadt sofort einen wirtschaftlichen Vorteil hatte. Zunächst wurde Bagdad mit einem runden Grundriss errichtet. Drei ringförmige Mauern schützten die Stadt. Hinter der ersten Mauer lagen die Wohngebiete. Der zweiten Mauer schlossen sich die militärischen Anlagen an. Zentral – durch alle drei Mauern geschützt – lag schließlich der Palast der Kalifen. Händler und Basare waren vor den Stadtmauern angesiedelt.

 

Die Abbasiden übten sowohl politische als auch religiöse Macht aus. Unter ihrer Regentschaft entwickelte sich Bagdad zunehmend zu einem intellektuellen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der arabischen Welt. Diese Entwicklung gipfelte in der Blütezeit im neunten Jahrhundert unter der Herrschaft des fünften Kalifen der Abbasiden, dem legendären Kalif Harun ar-Rashid. Unter Harun erlangten das Kalifat und Bagdad selbst immensen Reichtum. Dieser schlug sich den zahlreichen und pompösen Denkmälern zu Ehren Haruns nieder. Außerdem entpuppte sich Harun als großer Gönner und Förderer der Geisteswissenschaften und der Kunst. Bagdad erlebte somit einen noch nie da gewesenen Wohlstand und eine außerordentliche kulturelle Entwicklung. Die Stadt breitete sich auch auf das Ostufer des Tigris aus. Kalif Harun ar-Rashid soll mit Karl dem Großen freundschaftlich verbunden gewesen sein. Der Hof Haruns findet sogar in den Sagen aus 1001 Nacht Erwähnung.

 

Nach dem Tod Harun ar-Rashids schwächte sich das Kalifat der Abbasiden durch einen inneren Machtkampf, der zwischen den beiden Söhnen von Harun ar-Rashid ausbrach. Al-Amin und al-Ma’mun stritten um die Nachfolge. Al-Ma’mun ging schließlich als Sieger hervor. Allerdings hatte dieser blutige, innere Zwist das Kalifat einen erheblichen Teil seiner Souveränität gekostet. Viele Sympathien, die sich unter Harun beim Volk entwickelt hatten, waren dahin. In der Folgezeit lehnten sich die Sunniten erfolgreich gegen das Kalifat auf und übernahmen die religiöse Macht. Die Schiiten standen dem Kalifat in gänzlicher Ablehnung gegenüber. Das Kalifat wurde zunehmend zu einer eher repräsentativen Macht. Dennoch sollte Bagdad auch die folgenden vier Jahrhunderte nach Harun eine der bedeutendsten Städte im Orient bleiben.


Den Untergang der Abbasiden sowie den beginnenden Niedergang der Stadt Bagdad markiert das Jahr 1258. Die Mongolen fallen unter ihrem Anführer Hulagu (ein Enkel Dschingis Khans) in Bagdad ein und plündern die Stadt. Dabei wird der letzte Kalif der Abbasiden ermordet. Der berüchtigte Tamerlan und seine Mongolen plündern die Stadt abermals im Jahre 1401. Danach zermürbten Kriege zwischen den Persern und den Türken die Stadt. 1508 übernehmen die Perser die Stadt. Die Türken nehmen sie wiederum 1534 ein. 1623 sind es wieder die Perser, die die Stadt unterjochen. Schließlich gelingt es den Türken, Bagdad 1638 zurück zu erobern. Bagdad bleibt fast drei Jahrhunderte unter Herrschaft der Türken (bzw. der Osmanen).

 

Anfang 20. Jahrhundert


Im ersten Weltkrieg sind es die Briten, die Bagdad einnehmen wollen. Hier ist es erstmals (und leider nicht zum letzten Mal) das Öl, das die Macht aus dem Westen lockt. Der Kampf um Bagdad und die umliegende Region (1914-1915) entpuppte sich als überaus verlustreich für die Briten. Wie so oft im ersten Weltkrieg war es ein erbitterter Stellungs- und Grabenkrieg, bei dem mehr Soldaten an Siechtum und Krankheit als an Gefechtshandlungen starben. Erst im zweiten Anlauf 1917 nehmen die Briten Bagdad ein. 1918 wird Bagdad von den Briten annektiert.

 

Bereits hier wurde der Grundstein für eine Entwicklung gelegt, an der Bagdad sowie der gesamte Irak noch bis heute leiden. Kurden, Sunniten und Schiiten wurden einfach innerhalb neugezogener Grenzen zusammengepfercht. Natürlich konnte dies nicht gut gehen. 1920 kam es zu Unruhen in der Bevölkerung sowie zu bewaffnetem Widerstand gegen die Briten. Abermals starben etliche Tausend Menschen (sowohl Briten als auch Einheimische). Die Briten antworteten 1921 mit Bombardements. Die Problematik der verschiedenen Bevölkerungsgruppen wurde durch die Gründung des Königreichs Irak im selben Jahr zusätzlich verschlimmert. Auch dafür waren die Briten verantwortlich. Sie inthronisierten einen “König“, nämlich Faisal den Ersten. Freilich war dieser König den Briten gegenüber ein Untertan. So mussten nun die drei verfeindeten Bevölkerungsgruppen sehen, wie sie miteinander zurechtkommen sollten. Faisal wurde bis zu seinem Tod 1933 nie richtig von der irakischen, gemischten Bevölkerung anerkannt. Zu unterschiedlich waren die Wünsche und Vorstellungen der verschieden Bevölkerungsgruppen, als das ein einzelner Monarch ihnen Rechnung tragen konnte.

 

1950 - heute


Die Monarchie wurde 1958 abgeschafft und der Irak wurde zur Republik ausgerufen. Nach einigen brutalen Militärdiktaturen kommt 1968 die Baath Partei an die Macht. Elf Jahre später sollte aus ihren Reihen ein gewisser Saddam Hussein die Macht ergreifen.

 

Von den Fünfziger Jahren an begann sich der Irak zunehmend zu entwickeln. Es entstanden mehrere Universitäten. Darunter auch die große Universität in Bagdad, die zu ihrer Spitzenzeit internationales Ansehen genoss. Es entstand ein sehr gutes archäologisches Museum in Bagdad. Das Bildungswesen und die Gesundheitsversorgung entsprachen im Laufe der Zeit westlichen Standards. Bagdad war der Knotenpunkt des Verkehrs (für Flugzeuge, Züge und den Kraftfahrzeugverkehr). Ferner entwickelte sich eine solide Industrie, bestehend aus Ölraffinerien, Gerbereien, Spinnereien und der Lebensmittelherstellung. Das Stadtbild wurde von zahlreichen kleinen Ständen und Geschäften geprägt. Bagdad und der Irak waren drauf und dran zu einem Modell für Fortschritt in der arabischen Welt zu werden.

 

Saddam Hussein schaffte es, sich diese Entwicklung zu Nutze zu machen. Auf der einen Seite zeigte er sich unverhohlen brutal und gnadenlos gegenüber seinen politischen Gegnern. Auf der anderen Seite war er derjenige, unter dem der Irak eine gut funktionierende Infrastruktur entwickelte. Die militärische Aufrüstung dieses Mörders durch verschiedene Weltmächte festigte die Macht Saddam Husseins (zunächst). Dies mündete im ersten Golfkrieg 1980 zwischen dem Irak und einem gleichermaßen international aufgerüsteten Iran. Dieser blutige Krieg währte 8 Jahre und kostete Hunderttausende das Leben. Gleichzeitig begann der erneute Niedergang des Iraks, durch das Handelsembargo und die folgenden Angriffe der USA. Der jüngste Irakkrieg, der nun auch schon fünf Jahre zurückliegt, hat die Infrastruktur im Irak und in Bagdad in weiten Teilen zerstört.