Iraq heute

Tendenziell hat sich die Lage im Irak nun über die letzten Monate ein wenig entspannt. Dennoch ist es für Besucher kaum möglich sich außerhalb der gesicherten Zonen Bagdads gefahrlos zu bewegen. Verschiedene Milizen stellen dort immer noch eine große Bedrohung dar. Größtes Übel ist aber die zerschmetterte Infrastruktur. Oftmals haben die Bewohner – sofern sie nicht gänzlich obdachlos sind – nur für wenige Stunden Strom. Nicht selten muss man tagelang ganz ohne Strom auskommen. Die hygienischen Missstände stellen mancherorts ebenfalls ein Problem dar, so dass verschiedene Infektionserkrankungen gehäuft vorkommen. Darunter auch Hepatitis A und die Ruhr.

 

Auch wenn es makaber klingt, so wünschen sich doch nicht wenige die Verhältnisse unter Saddam Hussein zurück. Ein Befragter Bürger aus Bagdad meinte dazu:„Natürlich war Saddam ein Mörder und sein Regime war grausam und gefährlich. Aber das war eine Gefahr, der man wenigstens aus dem Weg gehen konnte. Heute geht man am falschen Ort und zur falschen Zeit einkaufen und wird Opfer eines Selbstmordattentats!

 

Selbstmordattentäter gab es hier unter Saddam jedenfalls noch nicht!“. Viele der Iraker (falls es den “Iraker“ überhaupt als solchen gibt) fühlen sich völlig missverstanden und bemängeln, dass die US Soldaten überhaupt kein tieferes Verständnis vom Irak und seinen Problemen haben. Die Befreier werden auf den Straßen Bagdads zunehmend als Besatzer empfunden.


Von einem Aufbau ist in Bagdad, das einst kulturelles und intellektuelles Zentrum des Orients war, derweil nicht viel zu merken. Bildung und Gesundheitsversorgung stagnieren weiterhin oder treten auf der Stelle. Im Moment scheint es, als ob die US Soldaten einen Trümmerhaufen bewachen und auch in ihrer Heimat mehren sich die Stimmen, die einen Abzug der Truppen fordern. Wirklich geholfen hat man der irakischen Bevölkerung nicht. Noch immer liegt das Grundproblem vor, das durch die leichtfertige Grenzziehung der Briten ano 1921 verursacht wurde. Die allzu verschieden Bevölkerungsgruppen im Irak ringen weiterhin um ihre Interessen. Ob eine Demokratie daran etwas ändern könnte, ist überaus fraglich. Letztlich wird diese nur den Triumph der größten Bevölkerungsgruppe garantieren. Und das sind die Schiiten mit ca. 60% Anteil in der Bevölkerung.